Montag, 30. Mai 2016

Gestern hat mich aller Mut verlassen.

Wir sind kurz nach 22 Uhr noch mal rausgegangen. Die letzte Pieselrunde, wie immer bei den Hochhäuserm, wo anders mag ich abends nicht gehen. Wir wollten am Sportplatz vorbei, zur Schule, dann rechts und noch mal rechts und wieder nach Hause. Es war laut auf dem Sportplatz, darum sind wir da nicht lang gegangen, sondern bei den Hochhäusern geblieben.

Auf einmal geht ein Böller hoch. Ich hab mich erschreckt, bin stehen geblieben und hab gelauscht. Dann folgten noch 4 oder 5. Ich hab die totale Panik bekommen, bin um Frauchen rum und dann in die Leine gespurtet - das hätte sie beinah von den Füßen gerissen, sie konnte sich am Geländer der Tiefgarage gerade noch festhalten. Weil sie nicht so schnell mitkam, wie ich wollte, bin ich auf die Hinterbeine gestiegen und hab laut gejammert: "Mach schnell, ich hab Angst, wir werden alle sterben!". Dabei hab ich alle meine Panikkräfte eingesetzt und war stark wie ein Bär.

Frauchen kriegte Angst, dass das Geschirr kaputt geht oder die Verschlüsse zerbrechen. Sie sah mich schon nackig durch die Siedlung flüchten, kopflos und ohne Plan wohin. Darum hat sie mich mit beiden Armen um den Körper festhalten wollen, aber ich hab mich gewunden, wie ein Wurm, hab ihr meinen Kopf ins Gesicht geschlagen dabei (tut mir total leid, Frauchen, ehrlich) und wollte aus dieser Umarmung wieder raus. Dann ist sie mir endlich im Laufschritt gefolgt. Nach Hause! Um Himmels Willen, Frauchen, komm schnell nach Hause! Mit eingeklemmtem Schwanz hab ich sie hinter mir hergezogen.

Mir ist nichts passiert. Zuhause regnete es Käsis, Frauchen hat ein bisschen gesungen und ganz bald konnte ich wieder entspannt auf meinem Bett liegen. Aber richtig zur Ruhe gekommen bin ich die ganze Nacht nicht. Immer wieder hab ich Frauchen geweckt, weil ich vom Bett gesprungen und durch die Wohnung gewandert bin. Gegen Morgen kam noch ein Gewitter mit Donner dazu. Frauchen dachte, ich hätte vielleicht von der Panik einen Stressdurchfall und hat versucht mit mir rauszugehen, aber ich wollte nicht aus dem Haus.

Gegen 6 Uhr wars draußen wieder ruhig und sie hat mich gezwungen eine kleine Runde mit ihr zu gehen. "Es ist alles wieder gut! Komm Pipi machen!" Ich hab mich nicht getraut, ihr zu glauben und bin immer wieder stocksteif geworden. Inzwischen ist es Nachmittag. Aber die Runde eben um 16 Uhr war auch noch nicht wirklich entspannt. Ich soll ein Kacka machen, sagt sie. Aber das geht einfach noch nicht.

Frauchen war sehr wütend gestern. Heute ist sie nur noch traurig, weil wahrscheinlich unser toller Trainigserfolg kaputt ist, und wir wieder von vorne anfangen müssen, zu üben.

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